TAKE-HOME-PRÜFUNGEN

Bitte beachten Sie: 

  • Die ‚Teil-Rahmenprüfungsordnung der Johannes Gutenberg-Universität Mainz für die Durchführung eines vorwiegend digitalen Semesters (Corona-Satzung)‘, die am 15. Mai 2020 vom Senat verabschiedet wurde, ermöglicht die Durchführung von sogenannten Take-Home-Prüfungen. Den Text der Corona-Satzung finden Sie hier.
  • Um eine Überschneidungsfreiheit mit anderen Präsenzprüfungen zu vermeiden und den Support durch das ZDV zu ermöglichen, ist es notwendig, dass auch in Ilias angelegte, zeitlich enger gefasste Take-Home-Klausuren geplant werden. Dafür ist eine Abstimmung mit den Studienbüros erforderlich.
  • Take-Home-Prüfungen sind nur ein Format unter anderen. Die Corona-Satzung §2 (2) 1 ermöglicht auch die Umstellung auf andere Prüfungsformate aus der jeweiligen Prüfungsordnung.
  • Auf dieser Checkliste sind alle wesentlichen didaktischen, organisatorischen und technischen Punkte zusammengefasst, die bei der Umstellung auf eine Take-Home Prüfung zu beachten sind.

>> Take-Home-Prüfungen sind Prüfungen, die ohne Aufsicht durchgeführt werden. Studierende haben daher während der Prüfung Zugriff auf sämtliche verfügbaren Hilfsmittel wie z.B. Kursmaterialien, Literatur, Internetzugang (sog. Open-Book-Prüfung).

>> Die Corona-Satzung der JGU definiert Take-Home-Prüfungen als

    1. schriftliche Prüfungen,

    2. die in begrenzter Zeit (maximal 4 Stunden)

    3. innerhalb eines längeren Zeitraums (z.B. 24 Stunden)

    4. ohne Aufsicht durchgeführt werden

Beachten Sie, dass die Corona-Satzung auch die Umstellung auf andere Prüfungsformate ermöglicht, sofern diese in der jeweiligen Prüfungsordnung geregelt sind. Alternative Prüfungsformate, die ebenfalls eine Prüfung ohne Aufsicht und unter Zugriff auf Hilfsmittel vorsehen, sind beispielsweise Haus- bzw. Projektarbeiten oder Portfolio-Prüfungen. Die nachfolgend beschriebenen didaktischen Potenziale und Herausforderungen von Take-Home Prüfungen gelten in ähnlicher Weise auch für diese Prüfungsformate.

Zweck der Studien- oder Prüfungsleistung muss erhalten bleiben

Die Corona-Satzung der JGU regelt, dass „Abweichungen von den Formaten und der Dauer der Studien- und Prüfungsleistungen gemäß der prüfungsrechtlichen Regelung im Benehmen mit dem Prüfungsausschuss zulässig [sind], sofern der Zweck der Studien- oder Prüfungsleistung weiterhin erreicht werden kann.“ (§ 2 (2) 1) Dies gilt auch für Take-Home-Prüfungen als neues Prüfungsformat und mögliche Veränderungen an Prüfungsformat bzw. -aufgaben, die in diesem Zusammenhang vorgenommen werden.

 

Corona-Satzung regelt nicht den Inhalt einer Take-Home-Prüfung

Abgesehen davon, dass der Zweck der Studien- bzw. Prüfungsleistung erhalten bleiben muss, macht die Corona-Satzung der JGU keine weiteren Vorgaben für die inhaltliche Gestaltung einer Take-Home-Prüfung: „Unter einer Prüfungsleistung in Form einer Take-Home-Prüfung ist die schriftliche Bearbeitung einer oder mehrerer von der Prüferin oder dem Prüfer gestellten Aufgaben zu verstehen, die mit den geläufigen Methoden des Faches, in begrenzter Zeit und ohne Aufsicht zu erfolgen hat.“ (§ 4 (1) 1)

 

Die Entscheidung über die Zulässigkeit der Umstellung auf Take-Home-Prüfungen liegt beim Prüfungsausschuss

Ob und in welcher Form die Umstellung von Prüfungen auf Take-Home-Prüfungen zulässig ist, entscheidet der jeweilige Prüfungsausschuss.

 

Für Take-Home-Prüfungen sind standardisierte Prüfungsfragen (Antwortwahlverfahren) grundsätzlich nicht zu empfehlen

Take-Home Prüfungen finden ohne Aufsicht und mit freiem Zugriff auf Hilfsmaterialien (wie z.B. Kursmaterialien, Literatur, Internetzugang) statt. Prüfungsaufgaben sollten daher so konzipiert sein, dass die Möglichkeit studentischer Informationsrecherche sowie Absprachen nicht zielführend bzw. Bestandteil der Prüfungsleistung sind.

Während bei standardisierten Prüfungen im Antwortwahlverfahren über eine entsprechende didaktische Aufgabenkonzeption studentische Informationsrecherche entwertet werden kann, bleibt die Möglichkeit studentischer Absprachen bestehen. Aus diesem Grund ist von der Durchführung einer Take-Home Prüfung, die auf Prüfungsaufgaben im Antwortwahlverfahren zurückgreift, grundsätzlich abzuraten.

Empfehlenswert sind Aufgaben mit offenen Antwortformaten, die über die reine Wiedergabe von Fachwissen hinausgehen und auf anspruchsvollere Prüfungsleistungen zielen (wie z.B. die Erklärung fachwissenschaftlicher Zusammenhänge, Transfer, Synthese oder Beurteilung von Fachwissen). Didaktische Hinweise zur Gestaltung entsprechender Prüfungsaufgaben sind den nachfolgenden Informationen zu entnehmen.

Die didaktischen Potenziale von Take-Home-Prüfungen bestehen im Wesentlichen darin,

  • Studierenden die Möglichkeit zur Demonstration höherstufiger Lernleistungen zu eröffnen (wie z.B. die Fähigkeit zu argumentieren, Wissen zu organisieren, zu synthetisieren oder zu beurteilen, Anforderungssituationen zu analysieren und Problemlösungen herzuleiten);
  • mittels Prüfungsaufgaben Anforderungssituationen zu simulieren, die den Anforderungen künftiger beruflicher bzw. wissenschaftlicher Praxis der Absolvierenden ähneln (insbesondere, in einem begrenzten Zeitraum unter Rückgriff auf vorhandenes Fachwissen und ggf. Erschließung neuer Informationsquellen situationsadäquate Lösungen zu generieren);
  • und somit kompetenzorientiertes Prüfen zu ermöglichen.

 

Dies leitet sich aus folgendem Zusammenhang ab:

  • Wahl des Prüfungsformats und Art der Prüfungsaufgaben haben starken Einfluss auf den studentischen Lernprozess („Washback-Effekt“)
  • Klausuren, in denen Studierende unter Aufsicht und ohne Rückgriff auf Materialen eine Vielzahl von (ggf. standardisierten) Wissensfragen richtig beantworten müssen, begünstigen studentisches (Auswendig-)Lernen von Fachwissen (wie z.B. Faktenwissen, theoretisches Wissen oder fachspezifische Methodenkenntnisse).
  • Die Fähigkeit zur Wiedergabe von Fachwissen stellt jedoch lediglich die Grundlage akademischer Handlungskompetenz dar, die über Hochschullehre ausgebildet werden soll. Darüber hinaus ist die Fähigkeit zur Anwendung erworbenen Fachwissens im Kontext fachspezifischer Praxis für akademische Handlungskompetenz wesentlich. Dies erfordert studentisches Lernen, das auf Verständnis fachlicher Zusammenhänge sowie Transfer, Synthese bzw. Beurteilung von Fachwissen zielt.
  • Aufgrund der Eigenschaften einer Take-Home-Prüfung (unbeschränkter Materialzugriff, studentische Absprachen möglich) sind Prüfungsaufgaben ungeeignet, die auf die Wiedergabe von Fachwissen zielen (insbesondere im Antwortwahlverfahren). Stattdessen sind Aufgaben mit nicht-standardisierten, offenen Antwortformaten, die auf höhere Lernleistungen zielen (Transfer, Synthese bzw. Beurteilung), zu empfehlen, da diese Prüfungsleistungen individualisieren und Nachschlagen bzw. Absprachen hier kaum zielführend sind.
  • Dieselben Aufgabentypen, die unethisches studentisches Verhalten entwerten, begründen das didaktische Potenzial einer Take-Home-Prüfung: da die erfolgreiche Bearbeitung von Transfer-, Synthese- bzw. Beurteilungsaufgaben profunde studentische Fachkenntnisse voraussetzt, können Take-Home Prüfungen (bei entsprechender Aufgabenkonzeption) in besonderer Weise kompetenzorientiertes Prüfen realisieren (und ein entsprechendes studentisches Lernen in der Prüfungsvorbereitung fördern).
  • Nähere Informationen zum didaktischen Potenzial kompetenzorientierten Prüfens mit Take-Home Prüfungen finden Sie hier.

Prüfungsaufgaben konzipieren, die auf höhere Lernleistungen zielen (Transfer, Synthese, Beurteilung)

Die Konzeption von Prüfungsaufgaben stellt aus zwei Gründen eine zentrale Herausforderung von Take-Home-Prüfungen dar. Zum einen wird das didaktische Potenzial kompetenzorientierter Take-Home-Prüfungen nur über Prüfungsaufgaben aktiviert, die jenseits der Wissenswiedergabe auf Anwendungs-, Analyse-, Synthese- und/oder Beurteilungsleistungen zielen. Diese werden in schriftlichen Take-Home-Prüfungen beispielsweise über offene Wissensfragen und Antwortformate, die individuelle Transfer- bzw. Syntheseleistungen zulassen oder Reflexionsaufgaben aufgerufen. Dagegen sind (standardisierte) Wissensfragen mit geschlossenen Antwortformaten (Single- oder Multiple-Choice) kaum dafür geeignet und daher nicht zu empfehlen.
Zum anderen bietet eine Take-Home-Prüfung aufgrund des offenen Informationszugangs, fehlender Aufsicht sowie ggf. asynchroner Bearbeitung Studierenden die Möglichkeit, Informationen zu recherchieren und sich untereinander abzusprechen. Daher sollten Aufgabenstellungen bzw. Prüfungsfragen so konzipiert sein, dass Abschreiben nicht zielführend ist oder die Informationsrecherche bzw. studentische Kooperation zum Bestandteil der Aufgabenbearbeitung gemacht wird. Auch hier bieten sich offene Aufgaben- und Antwortformate, die höherstufige, individuelle Transfer- bzw. Syntheseleistungen erfordern, an. Zusätzlich kann dies durch eine Kontextualisierung der Aufgabenstellung erreicht werden, etwa indem Prüfungsfragen an spezifische Kursinhalte rückgebunden werden oder Studierende aufgefordert werden, darzustellen, was und wie sie im Kurs gelernt haben (Reflexionsaufgaben).

>> Aus diesen Gründen könnte mit der Umstellung von einer Präsenz- auf eine Take-Home-Prüfung für Lehrende daher ggf. die Anforderung verbunden sein, neue Prüfungsfragen bzw. -aufgaben zu konzipieren und vorhandene (standardisierte) Prüfungsfragen zu ersetzen.

 

Deutlich erhöhter Korrekturaufwand

Geht die Umstellung auf Take-Home-Prüfungen mit einer Umstellung von (standardisierten) Wissensfragen auf offene Aufgaben- und Frageformate einher, erhöht sich der Korrekturaufwand deutlich. Die automatisierte Auswertung von Prüfungen, die individuelle studentische Leistungen in offenen Antwortformaten erfassen, ist nicht möglich.

 

Constructive alignment muss beachtet werden

Die Wahl der Prüfungsform und die Art der Prüfungsaufgaben haben starken Einfluss auf den studentischen Lernprozess. Kurz gesagt: was und wie Studierende lernen, orientiert sich daran, was größten Prüfungserfolg verspricht (sog. „Washback-Effekt“,Elton 1987, Alderson/Wall 1993). Lehrende können das didaktisch nutzen: Der erwünschte studentische Lernprozess kann dadurch angeregt werden, dass Lernziele, Lehr-Lernprozess und Prüfungsanforderungen einer Lehrveranstaltung bzw. eines Moduls aufeinander abgestimmt werden.

Dieses sogenannte „constructive alignment“ bedeutet,

a) den Lehr-Lernprozess einer Lehrveranstaltung so zu gestalten, dass genau die studentischen Lernaktivitäten angeregt werden, die das Erreichen der festgelegten Lernziele optimal fördern und
b) die Prüfung so zu konzipieren, dass Studierende genau die in den Lernzielen genannten Tätigkeiten zeigen können, um maximalen Prüfungserfolg zu erreichen.

Im Zusammenhang einer möglichen Umstellung auf Take-Home-Prüfungen und damit ggf. verbundener Neukonzeption von Prüfungsaufgaben gilt es also, das Prinzip des „constructive alignment“ zu beachten.
Ein Beispiel: Eine Lehrveranstaltung, die in diesem Sommersemester 2020 durchgeführt wird, ist in Lernzielen und Lehr-Lernprozess wesentlich darauf ausgelegt, Faktenwissen zu vermitteln. Als Prüfungsform wurde den Studierenden zu Beginn des Semesters eine Klausur angekündigt. Möchten Lehrende nun auf eine Take-Home-Prüfung umstellen, in der individuelle Transfer- bzw. Syntheseleistungen gefordert sind, kann dies fatale Folgen haben. Es kann davon ausgegangen werden, dass Studierende ihren Lernprozess auf das (Auswendig-)Lernen von Faktenwissen ausgerichtet haben, um in der erwarteten (standardisierten) Wissen abfragenden Klausur erfolgreich zu sein. Ein Wechsel des Prüfungsformats hin zu einer kompetenzorientierten Take-Home Prüfung kann dazu führen, dass die Prüfungsergebnisse deutlich schlechter ausfallen.

Umgekehrt besteht die Möglichkeit durch „constructive alignment“ bessere Prüfungsergebnisse zu fördern. Ein anderes Beispiel: In einer Lehrveranstaltung sind die Lernziele auf tieferes Verständnis sowie die Fähigkeit zu Wissenstransfer und/oder -synthese ausgerichtet, es ist jedoch bisher eine (ggf. standardisierte) Klausur als Prüfungsabschluss vorgesehen. Damit werden die Studierenden durch die Prüfungsanforderungen zum (Auswendig-)Lernen der Fachinhalte angehalten – und verfehlen so womöglich die eigentlichen Lernziele. Durch die Umstellung auf eine Take-Home-Prüfung mit nicht-standardisierten Transfer- und Syntheseaufgaben kann die geforderte Prüfungsleistung stärker auf die eigentlichen Lernziele und den Lehr-Lernprozess der Lehrveranstaltung abgestimmt und dadurch das eigentlich erwünschte studentische Lernen gefördert werden.

>> Durch das den Lernzielen angepasste Niveau der Prüfungsaufgaben werden Studierende in der Prüfungsvorbereitung dazu angehalten (sofern ihnen die Prüfungsanforderungen vorab kommuniziert wurden), die Fachinhalte eigenständig mit dem Ziel eines vertieften Verständnisses zu bearbeiten, um für Transfer- bzw. Syntheseaufgaben in der Prüfung gewappnet zu sein.

Literatur
Alderson, J. Charles; Wall, Diane (1993): Does Washback exist? Applied Linguistics 14 (115-129).
Elton, L. (1987): Teaching in Higher Education: Appraisal and Training, London: Kogan Page.

 

Studierende müssen rechtzeitig und eindeutig über Art und Umfang der Prüfungsanforderungen informiert werden – Beispielaufgaben geben

Empirische Befunde deuten darauf hin, dass Take-Home-Prüfungen die Prüfungsangst von Studierenden verringern (Bengtsson 2019, Durning et al. 2016). Andere Studien zeigen, dass Studierende sich auf Closed-Book Prüfungen unter Aufsicht stärker vorbereiten als auf Take-Home bzw. Open-Book Prüfungen (Bengston 2019, Durning et al. 2016). Ob zwischen beiden Phänomenen ein Zusammenhang besteht, ist unklar. Möglicherweise gehen Studierende davon aus, dass angesichts des Zugriffs auf Hilfsmaterialen sowie Absprachen eine intensive Prüfungsvorbereitung in Take-Home-Prüfungen weniger erforderlich ist. Dieser Eindruck kann nur dann entstehen, wenn Studierende davon ausgehen, dass beides – Nachschlagen und Absprachen – zum Prüfungserfolg führen.

>> Aus diesem Grund ist es wichtig, Studierende rechtzeitig vorab, eindeutig und explizit darauf hinzuweisen, dass die Prüfungsaufgaben so konzipiert sind, dass Informationszugang und Absprachemöglichkeiten nicht zielführend sind. Idealerweise werden Studierenden vor der Prüfung Beispielaufgaben gegeben, die der Art der Prüfungsaufgaben entsprechen. Dies hat einen zweifachen wünschenswerten Effekt: Studierende üben an der Beispielaufgabe die zu erlernenden Lehrveranstaltungsinhalte (wiederholend) ein und werden sich eher der Prüfungsanforderungen bewusst.

Literatur
Bengtsson, Lars (2019): Take-Home Exams in Higher Education: A Systematic Review, Education Sciences 9.
Durning, Steven J./Dong, Ting/Schuwirth, Lambert/Artino, Anthony R./Boulet, John R./Eva, Kevin (2016): Comparing Open-Book and Closed-Book Examinations: A Systematic Review, Academic Medicine 91: 4, 583-599.

Die folgenden Bemerkungen gelten nicht ausschließlich für Take-Home-Prüfungsaufgaben. Vieles gilt grundsätzlich bei der Prüfungsgestaltung und ist erfahrenen Prüfer*innen gut bekannt. Als Reflexionshilfe für die Aufgabenkonzeption haben wir hier die 6 wichtigsten Empfehlungen zusammengefasst:

 

1. Standardisierte Prüfungsaufgaben und reine Wissenswiedergabe vermeiden

Überprüfen Sie Ihre vorliegende Prüfung auf Aufgaben, die auf die Wiedergabe von Fachwissen zielen und/oder in standardisierter Form fragen (z.B. MC-, Zuordungs-, Lückentextfragen). Diese sollten durch Aufgaben mit offenem Antwortformat (Freitext) ersetzt werden, die auf die Erfassung höherer Lernleistungen zielen (Anwendung, Beurteilung, Synthese/Erzeugung von Fachwissen).
Begründung: (Standardisierte) Fragen, die auf reine Wissenswiedergabe zielen, lassen sich verhältnismäßig leicht durch Nachschlagen (im Internet oder Kursmaterialien) sowie durch Absprachen beantworten und sind daher grundsätzlich nicht zu empfehlen. Zudem können durch offenere Aufgabenformate verstärkt höhere Lernstufen gefördert werden.

 

2. Take-Home Prüfungsaufgaben didaktisch gestalten

Take-Home Prüfungsaufgaben sollten so gestaltet sein, dass sie
a) höhere und konstruktive studentische Lernleistungen (Anwendung, Analyse, Beurteilung, Synthese/Erzeugung von Wissen)
b) in offenen Antwortformaten (Freitext-Aufgaben)
c) in Form situierter Aufgabenstellungen (z.B. Fallbeispiele realer Anforderungssituationen, Bezug auf im Kurs behandelte Fallbeispiele usw.)
erfassen. Ausführlichere Hinweise dazu, wie Take-Home Prüfungsaufgaben didaktisch gestaltet werden können, finden Sie hier.

 

3. Constructive Alignment beachten

Grundsätzlich sollte die in der Prüfung erwartete studentische Leistung dem entsprechen, was in der Lehrveranstaltung gelehrt und eingeübt wurde (sog. "constructive alignment"). Ist der Lehrprozess Ihrer Lehrveranstaltung auf den Aufbau und die studentische Fähigkeit zur Wiedergabe einer Basis von Fachwissen ausgerichtet und wurden höherstufige studentische Lernleistungen nicht eingeübt, könnte eine Umstellung auf eine Take-Home Prüfung, in der höherstufige Lernleistungen in offenen Aufgabeformaten geprüft werden sollten, zu schlechten Prüfungsergebnissen führen. In diesem Fall ist die Umstellung auf eine Take-Home Prüfung nicht zu empfehlen.

 

4. Den Zeitrahmen zum Ablegen der Take-Home Prüfung festlegen

Die Zeit, die Studierende für die Bearbeitung einer Take-Home Prüfung an der JGU aufwenden dürfen, darf maximal 4 Stunden betragen. Das bedeutet jedoch nicht, dass alle Studierenden die Prüfung zeitgleich ablegen müssen. Sie können einen größeren Zeitrahmen gewähren, innerhalb dessen Prüflinge den Startpunkt der Prüfung frei wählen können. Beispielsweise kann den Studierenden nach Ausgabe der Prüfungsmaterialien ein Zeitraum von 24 Stunden gewährt werden, innerhalb dessen die Take-Home Prüfung mit 3 Stunden Bearbeitungszeit abgelegt werden muss.

Bedenken Sie, dass auch Studierende durch die gegenwärtige Situation mit besonderen Herausforderungen konfrontiert sein können (z.B. Betreuungspflichten, veränderte Bedingungen in der Sicherstellung des Lebensunterhalts usw.). Zeitliche Flexibilität hinsichtlich des Ablegens der Prüfung kann veränderten studentischen Lebens- und Arbeitsbedingungen entgegenkommen.

Andererseits bieten asynchron durchgeführte Prüfungen in besonderer Weise die Möglichkeit studentischer Absprachen. Je stärker die studentische Prüfungsleistung durch entsprechende Aufgabenstellungen individualisiert wird (durch die Erfassung höherer, konstruktiver Prüfungsleistungen, kontextualisierte Aufgabenstellungen usw.), desto weniger zielführend sind studentische Absprachen.
Hinsichtlich des gewährten Zeitraums (synchrone oder asynchrone Take-Home Prüfung) sind neben diesen didaktischen Gesichtspunkten auch technische und organisatorische Rahmenbedingungen zu beachten (vgl. dazu "Wie können Take-Home Prüfungen digital umgesetzt werden?")

 

5. Bewertung von Take-Home Prüfungen

Da bei offenen Aufgabenformaten die Antworten der Studierenden individuell unterschiedlich ausfallen, lassen sich diese Take-Home-Prüfungen nicht automatisiert auswerten. Mit der Umstellung auf Take-Home-Prüfungen kann sich der Korrekturaufwand daher deutlich erhöhen.

Für die Durchführung der Bewertung von Take-Home-Prüfungen empfehlen wir, Musterantworten bzw. Kriterienraster zu entwickeln.
Sie können die Auswertungsobjektivität erhöhen und den Arbeitsaufwand verringern, indem Sie die Bewertungsstandards mittels Musterantworten bzw. eines Kriterienrasters vorab festlegen.

Dies ist insbesondere für Prüfungsfragen mit Kurzantworten (z.B. Freitext-Fragen in ILIAS mit begrenzter Zeichenzahl) zielführend.

Für Essay-Fragen, die mit längeren studentischen Antworten einhergehen (z.B. Entwicklung eines Argumentes), ist ein Kriterienraster sinnvoll. Ausführliche Hinweise zur Erstellung eines Kriterienrasters finden sie hier. Legen Sie vorab fest, wie Sie in der Bewertung mit Aspekten wie Grammatik, Rechtschreibung, Zitation, Sprachstil/-fluss, Gebrauch von (Fach-)Vokabular, irrelevanter bzw. unpräziser Information usw. umgehen und teilen Sie dies den Studierenden vorab eindeutig mit.

 

6. Prüfungsbedingungen vorab eindeutig kommunizieren

Informieren Sie die Teilnehmer*innen vorab eindeutig und explizit über folgenden Rahmenbedingungen der Take-Home Prüfung:

- Welcher Typ von Prüfungsaufgaben?
Teilen Sie den Studierenden rechtzeitig vor der Prüfung mit, welche Typen von Aufgaben in der Prüfung zu bearbeiten sind. Da in Take-Home Prüfungen der offene Zugriff auf Hilfsmaterialien möglich ist, könnten manche Studierende annehmen, dass eine intensive Prüfungsvorbereitung nicht erforderlich sei. Weisen Sie die Studierenden daher darauf hin, dass die Prüfungsaufgaben nicht auf die bloße Wiedergabe von Fachwissen zielen, sondern andere Lernleistungen erfordern und Nachschlagen ggf. nicht zielführend ist bzw. Bestandteil der Prüfungsleistung darstellt. Idealerweise geben Sie den Studierenden zu jedem Aufgabentyp vorab eine Beispielaufgabe zur Bearbeitung, um dies zu verdeutlichen.

- Bearbeitungszeit und ggf. gewährter Zeitrahmen
Teilen Sie den Studierenden vorab mit, wieviel Bearbeitungszeit für die Prüfung vorgesehen ist. Die Bearbeitungszeit darf maximal 4 Stunden betragen.
Gewähren Sie den Studierenden einen größeren Zeitraum innerhalb dessen die Studierenden die Prüfung ablegen dürfen, teilen Sie auch dies vorab eindeutig mit.
Beispielsweise könnten die Studierenden wie folgt informiert werden: „Das Ablegen der Prüfung hat innerhalb des Zeitraums vom 15.7.20, 0 Uhr, bis 16.7.20, 0 Uhr zu erfolgen. Die Bearbeitungszeit der Prüfung beträgt 4 Stunden.“
Bei einer online durchgeführten Prüfung in ILIAS ergänzen Sie: „Das bedeutet, wenn Sie die Prüfung am 15.7.20 um 14 Uhr starten wird die Prüfung automatisch um 18 Uhr beendet.“
Bei einer Prüfung in Form einer Aufgabe im Moodle-Kurs ergänzen Sie: „Das bedeutet, wenn Sie die Prüfungsaufgaben am 15.07.20 um 14 Uhr abrufen, müssen Sie Ihre Ergebnisse spätestens am 15.07.20 um 18 Uhr hochladen. Andernfalls gilt die Prüfung als nicht bestanden.“

- Umfang und Gewichtung von Aufgaben
Teilen Sie Studierenden bei jeder Aufgabe mit, welche maximale Punktzahl zu erreichen ist und welchen Umfang die Antwort umfassen sollte. Bei Essay-Fragen, die auf längere Antworten zielen: Sollten Studierende eher eine oder vier Textseiten schreiben? Bei Fragen mit kürzeren Antworten: geben Sie die maximale Länge der Antworten an (bei Freitext-Fragen in ILIAS lässt sich die maximale Zeichenzahl der Antwort festlegen).

- Zitationsregeln
Setzen Sie klare Richtlinien dafür fest, was (z.B. Fachliteratur, Skript, Notizen aus dem Kurs, Wortbeiträge von Kommilitonen/-innen im Kurs) und wie zitiert werden soll.

- Nutzung von Hilfsmaterialien
Benennen Sie eindeutig Ihre Erwartungen darüber, welche Informationsquellen für die Bearbeitung einer Aufgabe herangezogen werden sollten (z.B. nur Kursmaterialien, weitere Fachliteratur oder Internetrecherche). Grundsätzlich besteht für Studierende die Möglichkeit, jederzeit auf alle Formen von Hilfsmaterialien zuzugreifen.

Das Austeilen der Aufgabenstellung und die Abgabe der Bearbeitung kann per E-Mail oder durch Download und Upload in einem Lernraummanagamentsystem (LMS) erfolgen - alternativ ist die vollständige Bearbeitung innerhalb eines LMS möglich:

 

Variante 1) Austeilen der Aufgabenstellung und Abgabe der Bearbeitung per E-Mail, die Bearbeitung der Aufgabe(n) erfolgt offline.

  • Das Austeilen und die Abgabe erfolgen an bzw. von der studentischen E-Mail-Adresse.
  • Stellen Sie den Studierenden neben der Aufgabenstellung außerdem das Formular für die Selbständigkeitserklärung zur Verfügung, damit diese das ausgefüllte Formular zusammen mit der Bearbeitung zurückschicken können. Eine Vorlage für die Selbständigkeitserklärung finden Sie hier (Word-Formular).
  • Bitte beachten, dass ein minutengenauer Abgabezeitpunkt für die Bearbeitung aus technischen Gründen nicht zu empfehlen ist, da es zwischen Versand und Eintreffen einer E-Mail zu Verzögerungen unterschiedlicher Dauer kommen kann.
  • Bitte beachten Sie, dass von Ihrer universitären E-Mail-Adresse aus E-Mails an maximal 1.000 Adressaten in einem rollenden 24-Stunden-Zeitfenster und maximal 100 E-Mails pro Minute verschickt werden dürfen. Jede E-Mail darf höchstens 200 Adressaten haben. Vorsichtshalber sollten Sie beim Versenden vieler E-Mails Ihren E-Mail-Client geöffnet lassen, bis alle E-Mails im Postausgang abgearbeitet wurden.

 

Variante 2) Austeilen der Aufgabenstellung und die Abgabe der Bearbeitung per Download und Upload in einem LMS, die Bearbeitung der Aufgabe(n) erfolgt offline.

  • Jedes an der JGU nutzbare Lern-Management-System (JGU-LMS, JGU-Reader, Ilias, OpenOlat) verfügt über die Funktion, den Kursteilnehmerinnen und -teilnehmern, Dokumente zum Download zur Verfügung zur stellen. Teilnehmerinnen und Teilnehmer können ihre Bearbeitung nur für die/den Lehrenden sichtbar wieder hochladen.
  • Stellen Sie den Teilnehmenden neben der Aufgabenstellung ein Formular für die Selbständigkeitserklärung zum Download zur Verfügung, das ausgefüllt zusammen mit der Bearbeitung hochgeladen werden muss. Eine Vorlage für die Selbständigkeitserklärung finden Sie hier (Word-Formular).
  • In JGU-LMS (Moodle-Basis), Ilias und JGU-Reader kann ein minutengenauer spätester Abgabezeitpunkt eingestellt werden. Danach ist ein Hochladen der bearbeiteten Aufgabe(n) nicht mehr möglich. Um Benachteiligungen aufgrund technischer Störungen auszuschließen, empfehlen wir, den Studierenden alternativ die Abgabe per E-Mail zu gestatten.
  • Aufgrund der hohen Belastung der LMS im digitalen SoSe 2020 kann der störungsfreie gleichzeitige Down- und Upload von Dokumenten durch eine große Zahl von Studierenden nicht garantiert werden.

 

Daher empfehlen wir:

    • Nutzen Sie JGU-LMS und JGU-Reader für TH-Prüfungen mit einem festgelegten Bearbeitungszeitraum, der länger als 24h ist. Durch die zeitliche Entzerrung sollten der Einsatz dieser LMS auch mit einer größeren Teilnehmeranzahl (>100) funktionieren.
    • Bei kürzeren Bearbeitungszeiträumen sollte das Ende Abgabezeit innerhalb der Arbeitszeiten der ZDV-Mitarbeiterinnen und -mitarbeiter liegen, damit diese bei technischen Störungen kontaktiert werden können. Eine sofortige Behebung kann selbstverständlich nicht gewährleistet werden.
    • Nutzen Sie Ilias für TH-Prüfungen mit festgelegtem Bearbeitungszeitraum bis zu 4h. Aus verschiedenen Gründen müssen Sie unbedingt für diesen Zeitraum von Ihrem Studienbüro über RAPS einen virtuellen Prüfungsraum (Take-Home 1-4) buchen lassen: Nur so kann verhindert werden, dass zu viele Teilnehmer/innen gleichzeitig auf die Server zugreifen. Gleichzeitig kann dadurch der Support durch das E-Learning-Team des ZDV gewährleistet und bei Wartungsarbeiten auf Prüfungszeiträume Rücksicht genommen werden.
    • Ein FAQ zu Take-Home-Prüfungen in ILIAS finden Sie auf den Seiten des E-Learning-Teams (ZDV)
    • OpenOlat wird vom VCRP gehostet, daher können hier keine Aussagen über die Belastungsgrenzen des Systems gemacht werden.
    • Laut § 3 (3) 2 d der Corona-Satzung ist den Kandidatinnen und Kandidaten die Möglichkeit zu geben, sich vor der Prüfung mit dem elektronischen System vertraut machen. Dazu empfehlen wir, den Studierenden, die Gelegenheit zu geben, Down- und Upload im Rahmen einer entsprechenden Probeklausur auszuprobieren.

Beispiel zur Einstellung der Bearbeitungszeit: Aktivität "Test" im JGU-LMS

Darstellung der Aktivität "Test" im JGU-LMS

 

Variante 3) Bearbeitung der Aufgabenstellung online in einem Lern-Management-System (TH-Online-Klausur) 

  • Für den reibungslosen Ablauf muss während der gesamten Bearbeitungszeit eine stabile Internetverbindung und ein ununterbrochener Zugriff auf das Lern-Management-System zur Verfügung stehen.
  • Das ZDV empfiehlt hierfür die Nutzung das LMS Ilias, für das an der JGU langjährige gute Erfahrungen mit E-Klausuren vorliegen. Nur für dieses System kann dezidiert technischer Support angeboten werden. Hier finden Sie die Take-Home-Klausur-Hotline für Ilias.
  • Informieren Sie bitte Ihr Studienbüro über Datum und Zeit der Take-Home-Prüfung. Die Studienbüros werden die Termine in RAPS eintragen, so dass das ZDV Anzahl und Zeiträume der Take-Home-Prüfungen im (an RAPS angebundenen) Support-Planungstool verbuchen kann. So können Lastspitzen vermieden und Wartungsarbeiten außerhalb der Bearbeitungszeiträume geplant werden.
  • Die Prüferin oder der Prüfer sollten während der Bearbeitungszeit für Rückfragen der Studierenden telefonisch oder per Chat zur Verfügung stehen. Umgekehrt sollten auch die Studierenden von den Lehrenden zeitnah erreichbar sein, z.B. um über Korrekturen an einer Fragestellung informiert werden zu können.
  • Das Erklären der selbständigen Bearbeitung kann in Ilias durch Vorbedingungen abgebildet werden, eine entsprechende Dokumentation ist aktuell noch im Entstehen. Der Upload einer separaten Selbständigkeitserklärung ist dann nicht mehr erforderlich.
  • Laut § 3 (3) 2 d der Corona-Satzung ist den Kandidatinnen und Kandidaten die Möglichkeit zu geben, sich vor der Prüfung mit dem elektronischen System vertraut machen. Deshalb empfehlen wir, den Studierenden eine Probeklausur in Ilias anzubieten.
  • Denkbar ist eine Umstellung einer bereits als reguläre E-Klausur angelegten Prüfung zur Take-Home-Prüfung, didaktisch ist dieses Szenario aber nur in bestimmten Fällen zu empfehlen. Informationen zur technischen Umstellung finden Sie hier.

Ein FAQ zu Take-Home-Prüfungen in ILIAS finden Sie auf den Seiten des E-Learning-Teams (ZDV).

 

  • Technische Störungen können nicht vollständig ausgeschlossen werden.
  • Die Support-Hotline des E-Learning-Teams (ZDV) für laufende Ilias-Take-Home-Prüfungen finden Sie hier. Bitte beachten Sie, dass sich das Angebot an Lehrende wendet und die Hotline ausschließlich während der Prüfung zur Verfügung steht.
  • Das ZDV kann keinen Support für die Endgeräte und die Internetverbindung der Studierenden übernehmen.
  • Beachten Sie zum Umgang mit technischen Störungen § 3 (3) 3: "Technische Störungen, die auf der Seite der Kandidatin oder des Kandidaten auftreten, sind von dieser oder diesem in geeigneter Weise zu dokumentieren und der Prüferin oder dem Prüfer unverzüglich mitzuteilen (z.B. durch einen Screenshot mit Datums- und Uhranzeige). Für den Fall einer technischen Störung muss gewährleistet werden, dass dem Prüfling keine Nachteile entstehen; ausgenommen davon sind Täuschungsversuche. Die Prüferin der Prüfer entscheidet, ob die Prüfung fortgesetzt oder abgebrochen wird. Im Falle einer Fortsetzung kann die Dauer der Prüfung entsprechend verlängert werden. Im Falle eines Abbruches ist die Prüfungsleistung vollständig zu wiederholen; sie gilt als nicht unternommen."

JGU-Plattformen für digitale Lehre

Panopto auf video.uni-mainz.de (Link zur Homepage)
BigBlueButton (Link zur Homepage)
JGU-LMS (Link zur Homepage)