Ihr Kommentar zur Lehrstrategie der JGU

 

Hier möchten wir Ihre Ideen zur Lehrstrategie der JGU unter folgenden Leitfragen sammeln:

  • Wenn Sie nur zwei (oder drei) Punkte aus diesem Papier in Ihre persönliche Lehrstrategie übernehmen könnten, welche Punkte wären das?
  • Was fehlt Ihnen in unserer Lehrstrategie? Welcher Aspekt, welches Thema, welche Herausforderung müsste(n) integriert werden?
  • Was möchten Sie sonst noch zum Thema einbringen?
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6 Kommentare zu “Ihr Kommentar zur Lehrstrategie der JGU

  1. Mittlerweile studiert ca. ein Drittel aller Studierenden bereits an Fachhochschulen und Dualen Hochschulen. Um zukunftsfähig zu bleiben, müssen Universitäten neben ihrem akademischen Vorteil vor allem ihre Praxisnähe und Berufsorientierung stärken.

    Eine Chance liegt in der anwendungsorientierten Förderung besonders handlungsnaher Kompetenzen gemäß dem Bedarf der beruflichen Praxis. Hierzu ist es wichtig, Lehrinnovationen zu fördern, Erfolge auf andere Studiengänge zu übertragen, sich dabei am Bedarf der beruflichen Praxis zu orientieren und Studierenden frühzeitig zu ermöglichen, ihr akademisches Wissen bereits im Studium handlungsnah anzuwenden.

    1. Die Universität darf sich auf keinen Fall an der Praxisrelevanz orientieren. Wenn wir unterrichten, was Firmen wünschen, dann unterrichten wir das, was Firmenchefs vor 20-40 Jahren selbst gelernt haben. Die Universität muss als der Ort innovativen freien Denkens und der Entwicklung neuer Methoden erhalten bleiben. Praxisorientierte Studiengänge gehören in Fachhochschulen. Wenn an der Uni nicht frei gedacht und geforscht werden darf, dann gibt es keinen Ort mehr in unserer Gesellschaft, wo das möglich ist.

  2. Der möglichst weitläufig und neutral gewählten Formulierungen der Lehrstrategie bewusst, fehlt mir dennoch ein wenig Mut. Meines Erachtens muss nicht alles gelingen, was dort bekundet wird. Auch ein Scheitern muss hingenommen werden können.
    Konkretes Beispiel ist die unter 5. angesprochene Förderung von selbstständigen Lernen (E-Learning). Neben der zurückhaltenden Aussprache für neue Lehrformen und deren aktiver Erprobung, wird sich tendenziell noch stärker zurückgehalten und eingeschränkt, indem unter 9. der Präsenzlehre eine herausragende Bedeutung zugesprochen wird und sonstige Formen als sehr nebensächlich abgetan werden. Die JGU müsste sich meinem Empfinden nach bedeutend stärker für eine aktive Erprobung und Durchführung aussprechen.
    In anderen Themenfeldern sind es einzelne Formulierungen, wie beim Lehrvortrag (8.), der durchgeführt werden "soll" statt "muss". Auch wenn kein direkter Zwang eingeführt werden kann, wäre eine Aussprache für eine langfristige Arbeit in Richtung der Einführung einer Verpflichtung, sowie weiterer Maßnahmen zur Stärkung des Lehraspekts wünschenswert. Nur so kann meines Erachtens die unter 1. gelobte Einheit von Forschung Lehre auch zukunftssicher gewährleistet werden.
    Diesem Themengebiet sei auch noch ein Wunsch angefügt: Die Aussicht auf die Erarbeitung eines zumindest freiwilligen, bestenfalls verpflichtenden, Angebots zur Weiterbildung für Lehrende. Nach momentanem Stand erhalten insbesondere exzellente Lehrende Förderungen, verbessern sich weiter, können aber keinesfalls in Satellitenfunktion das leisten, was notwendig ist, um die Lehre bei allen voranzubringen. Eine Förderung der Lehrschwächeren wäre noch viel mehr von Nöten, denn die Motivation durch Anerkennung der Exzellenz in der Lehre, scheint nicht auszureichen.
    Zuletzt noch ein Punkt zu den Schlüsselfunktionen aus 9., was sich gegebenenfalls auch an Herrn Saas Kommentar anfügt. Die Universität Göttingen bietet stark curicular verankerte "ZESS-Kurse" an: https://www.uni-goettingen.de/de/423445.html. Diese Zentrale Einrichtung für Sprachen und Schlüsselqualifikationen bietet einen unglaublich starken Pool an Kursen zu praxisnahen und berufsorientierenden Qualifikationen an, die auch bei Studierenden nicht nur durch die Studienpflicht, sehr beliebt sind. Für mein Empfinden fehlt der Lehrstrategie eine deutliche Konkretisierung der Vorhaben bezüglich der Soft-Skills und Schlüsselqualifikationen. Es wirkt wie ein Gedankenexperiment für irgendwann… Vielleicht nach der eines Tages erscheinenden Internationalisierungsstrategie?
    Die Lehrstrategie bietet viel Potenzial, auch im momentanen Zustand, aber sie könnte noch mehr Chancen bieten.

  3. Die Einordnung der universitären Leistungen von Studierenden im Vergleich zu ihren Kommilitonen im gleichen Studiengang ist in verschiedenen Zusammenhängen von entscheidender Bedeutung. Wenn Studierende Noten aus dem Ausland, etwa im Rahmen eines Erasmus-Programmes, an ihrer Heimatuniversität anerkennen lassen möchten, ist die Einordnung der Leistung im Ausland entscheidend für die an der Heimatuniversität zu vergebende Note. Auch wenn Studierende sich für Folgeprogramme oder Praktika bewerben, wird die universitäare Leistung in Empfehlungsschreiben häufig verglichen mit den Leistungen der Mitstudierenden. In beiden Fällen ist die Kenntnis der Notenverteilung der Mitstudierenden wichtig.

    Es stellt sich die Frage, wie eine solche Notenverteilung zu konstruieren ist. Bei der
    Übertragung von Einzelnoten aus ausläandischen Prüfungen ist die Einordnung der Note eines Studierenden einfach. Das ECTS bietet dazu eine gut umsetzbare Anleitung, die auf dem Perzentil der Note des Studierenden in der Verteilung aller Noten in dieser Prüfung aufbaut. Bei der Bewertung der Durchschnittsnote eines Studierenden, etwa zur Erstellung von Gutachten oder für die Berücksichtigung in Auswahlverfahren, ist die Bestimmung der angemessenen Notenverteilung der Mitstudierenden weniger offensichtlich.

    Eine Arbeit von Kai Pastor, Thorsten Schank und Klaus Wälde (alle Wiwi, JGU) zeigt, dass mit den aktuell auf offziellen Notenauszügen ("Leistungsübersicht") abgedruckten Notenverteilungen ("Notenverteilungsskala gemäß ECTS Leitfaden") gute Studierende systematisch zu schlecht dargestellt werden (und schlechte Studierende zu gut).
    Die Arbeit zeigt auch, dass die angemessene Notenverteilung aus Durchschnittsnoten von
    Kommilitonen erstellt werden muss, welche die gleiche Anzahl von ECTS Punkten erreicht
    haben wie der zu bewertende Studierende. Die Arbeit beinhaltet eine Tabelle, welche die
    aktuelle Notenverteilungsskala auf der Leistungsübersicht ersetzen sollte.

  4. Im Leitbild der JGU heißt es:
    "Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Johannes Gutenberg-Universität Mainz erweitern in ihrer Forschung kontinuierlich die Grenzen des Wissens. In der Lehre geben sie ihr Wissen weiter und setzen sich für einen verantwortungsvollen Umgang mit wissenschaftlicher Erkenntnis ein, die den Menschen, der Gesellschaft und der Natur dient."

    Und eines der drei Ziele der Internationalisierungsstrategie der JGU lautet:
    "Ausbildung der Studierenden zu "Global Citizens": Die JGU bereitet ihre Studierenden auf ein Leben in globalisierten Kontexten vor. Sie bildet ihre Studierenden zu aufgeklärten, weltoffenen Bürgern aus, die in der Lage sind, im internationalen Wettbewerb zu bestehen."

    Die gesellschaftlich relevanteste Aufgabe einer akademischen Ausbildung ist meiner Meinung nach das Verstehen, wie wissenschaftliche Erkenntnisse zustande kommen, und die Befähigung, diese Erkennnis in allen Lebens- und Arbeitsbereichen anwenden und vermitteln zu können.

    Die Wissenschaft als solche befindet sich aktuell unter Beschuss. Viele, auch nicht wissenschaftlich ausgebildete Menschen haben inzwischen gelernt, dass Statistiken manipulierbar sind – und schütten nun das Kind mit dem Bade aus. Sie trauen nichts und niemandem mehr, eine Einstellung, die perfekten Nährboden für Fake News und Propaganda bietet. Das sieht man aktuell nicht nur anhand der Diskussionen um den Klimawandel, sondern auch in vielen anderen Bereichen, zum Beispiel bei den (oft sogar hochgebildeten) Impfgegnern oder an den vielen alternativmedizinischen Methoden, die inzwischen trotz fehlender Evidenz ihrer Wirksamkeit in die Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen aufgenommen wurden.

    Diese Entwicklung kann unserer Gesellschaft gefährlich werden. Sie könnte die Errungenschaften der Aufklärung zunichte machen und uns der bisher besten bekannten Methode berauben, halbwegs gesichertes Wissen über die Welt zu erlangen.

    Als Universität müssen wir uns dieser Herausforderung stellen. Ein großer Anteil jedes Schulabgänger-Jahrgangs studiert inzwischen, und darin liegt eine Chance, dieser bedenklichen Entwicklung in der öffentlichen Debatte etwas entgegenzusetzen.

    Darum sollte dieses Thema in der Lehrstrategie der JGU eine wichtige Rolle spielen.
    Bisher kommt dies jedoch nur als äußerst vage Zielformulierung vor ("Vermittlung sozialer und methodischer Kompetenzen und Werthaltungen.") ohne jegliche Maßnahmenvorschläge.

    Direkt danach steht "Die JGU schätzt das Engagement von Studierenden, die sich jenseits ihres Studiums für die JGU einsetzen." Das sollte erweitert werden mit "… , die sich jenseits ihres Studiums gesellschaftlich engagieren und für eine auf wissenschaftlichen Fakten basierende Debattenkultur eintrteten."

    Eine Diskussion über konkrete Maßnahmen, wie man dieses für unsere Gesellschaft so wichtige Ziel ins Curriculum aller Studiengänge einbinden könnte, wäre sehr wünschenswert.

  5. Die JGU mag sich zwar "Einheit von Forschung und Lehre" auf die Fahnen schreiben, Realität ist dies aber (schon lange) nicht (mehr) und (m. E.) auch in vielen Bereichen gar nicht gewünscht (z.B. Lehramtsstudiengänge). Dies wird auch in der aktuellen Stellenentwicklung im geisteswissenschaftlichen Bereich mehr als deutlich: neue Stellen werden üblicherweise mit LfbA-Deputaten belastet (4 SWS auf "Doktorandenstellen", 8-12 SWS auf Postdoc-Stellen), so dass – selbst auf Qualifikationsstellen – eigentlich keine Forschung (mehr) möglich ist. Langfristig ist zu befürchten, dass wir auf ein Modell wie in den USA schon lange üblich zusteuern: es gibt Forscher (Professoren), die die Studierenden vielleicht mal in einer Vorlesung zu ihrem Spezailthema zu sehen bekommen, und die große Masse der Lehrenden, die den Unibetrieb aufrecht erhalten (, aber nicht forschen). Verbindungen gibt es wenig, und die Schere zwischen Lehrenden und Forschenden öffnet sich durch die zunehmende Spezialisierung der Forschenden und zunehmende Breite der Lehrenden immer weiter. Da möchte ich nicht hin – und ich denke, vielen andere auch nicht. Das erfordert aber ein grundsätzliches Umdenken bei der Verteilung/Zuweisung/Konzeption zukünftiger Stellen/Gelder – hier sollte die JGU sich Gedanken über ein tragfähiges Zukunftskonzept machen (Stichwort Zukunftsvertrag).

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